Secondhand, 09.03.2024
Herzlich Willkommen
Julia, du bist gelernte Grafikerin und ausgebildete Kostümbildnerin, hast sieben Jahre in Berlin gelebt und bei diversen Film- und Theaterproduktionen, zuletzt am Theater Basel, mitgewirkt. Was hat dich dazu bewogen, dich bei sahara zu bewerben?
Ich habe mich langfristig nicht mehr als Kostümbildnerin gesehen. Die hohe Reisetätigkeit, die langen Arbeitstage, der geringe Verdienst – das zehrt auf Dauer, auch wenn ich in diesen Jahren viel Lebenserfahrung gesammelt habe. Ich wollte eine Tätigkeit mit sozialer Komponente und Sinnhaftigkeit, bei der ich mein Flair und Wissen und meine Leidenschaft für das Textile einbringen konnte.
Und nun führst du seit einem Monat den sahara Secondhand. Wie fühlst du dich?
Ich fühle mich angekommen. Ich hatte eine tolle Einarbeitung in die Arbeitsabläufe, eine fundierte Vorbereitung auf den arbeitsagogischen Teil und ich erlebe hier ein starkes Miteinander. Alle sind kommunikativ und unkompliziert und helfen einander.
Und wie erlebst du sahara?
In meinem ersten Monat habe ich sahara als ein grosses Ganzes erlebt. Eine Institution mit einem nachhaltigen Angebot, die sozial geschwächte Menschen auffängt und ihnen eine Perspektive bietet. Das ist der Grund, warum ich mich beworben habe. Im Laden spüre ich, wie sich die Teilnehmerinnen und das Publikum gut tun. Zwischenmenschlich passiert in diesen Räumen ganz viel: Man verzeiht sich Dinge und gleichzeitig kann man sich gegenseitig pushen. Das finde ich wahnsinnig interessant und das macht mir Freude auf mehr. »

Du hattest beruflich viel mit Bekleidung zu tun, welche Bedeutung hat Secondhandmode für dich?
Ich kleide mich fast ausschliesslich Secondhand ein. Nicht nur aus ökologischen Gründen. Mir gefällt die Patina einzelner Kleidungsstücke, man erkennt ihre Geschichte und lebt sie weiter. Und gutes Material altert schön.
Du hattest hier schon ein tolles Erlebnis aufgrund eines TikTok-Videos. Wie kam es dazu?
Ja, gestern sind zwei junge Kunden in den Laden gekommen, weil sie ein TikTok-Video vom sahara Secondhand gesehen haben. Die beiden waren total begeistert von unserem Sortiment und den stimmigen Preisen – sie kannten den Secondhand vorher nicht und sind nur aufgrund dieses Videos hereingekommen. Ich habe keine Ahnung, wer das Video gemacht hat und hoffe, ich werde es noch im Internet finden.
Es ist für mich auch ein Thema, die junge Generation gezielt anzusprechen, denn Secondhand wird bei ihnen immer mehr zum Trend. Dazu werde ich unseren Instagram-Kanal aktiv nutzen. Für TikTok bin ich selbst schon fast zu alt (…lacht). Und gleichzeitig beeindruckt mich die Stammkundschaft. Einige Kundinnen und Kunden kommen zwei oder sogar drei Mal die Woche bei uns vorbei, das hat etwas sehr Familiäres.
Und du hast uns verraten, dass du wegen der Kaffeebar anfangs unsicher warst.
Das stimmt. Anfangs hat mich die Bar etwas überfordert; jetzt merke ich, wie gut sie tut. An der Kaffeebar sind die Momente, in denen wir Dankbarkeit für die Kleiderspenden zeigen und mit den Spender*innen in Kontakt kommen können. Die Kaffeebar ist nicht nur Rückzugsort, sie ist auch ein Begegnungsort. Hier setzen sich ganz unterschiedliche Menschen zusammen und es entsteht etwas, indem sich alles mischt.
Julia, wir danken dir herzlich für deine Offenheit und wünschen dir viel Erfolg und weiterhin schöne Begegnungen im Secondhand.









