Projekt, 25.02.2025
Tschüss!
Susanne, du bist seit 2014 bei sahara. Zunächst als Vertretung der damaligen Co-Leiterin und dann als Leiterin Arbeitsintegration und Coaching. Wie würdest du euren Arbeitsauftrag für die Teilnehmerinnen in zwei Sätzen zusammenfassen?
Es geht darum, die Frauen in der Organisation ihres individuellen Lebens – mit all ihren Themen wie Arbeitslosigkeit, psychische und körperliche Erkrankungen, emotionale Instabilität, finanzielle Unsicherheit – zu unterstützen und zu befähigen. Damit sie wieder eine Zukunftsorientierung und eine Perspektive finden. Dabei ist mir immer wichtig gewesen, den Teilnehmerinnen zu vermitteln, was sie selbst tun können. Wie könnt ihr eure Selbstwirksamkeit und eure Ressourcen stärken; was könnt ihr selbst tun, um einen Weg zu finden!
Welche Entwicklungen hast du dabei voran getrieben?
Ich habe von Anfang die enge Kombination von Arbeit und Coaching gepusht. Das Coaching findet auf Basis der Rückmeldungen von der Arbeit statt und ist nicht losgelöst von den individuellen Entwicklungen im beruflichen Kontext. Dieser Arbeitscoaching-Ansatz hat sich bewährt.
Ergänzt wird er durch die Zielerreichungsgespräche. Durch sie findet strukturiert ein regelmässiger Abgleich der Selbst- und Fremdwahrnehmung statt und damit kommen die Teilnehmerinnen zu einer realistischen Einschätzung ihrer Möglichkeiten.
Wie bist du damit umgegangen, mit so vielen verschiedenen Menschen und Schicksalen zu arbeiten?
Jeder neue Mensch ist für mich ein neues Blatt, ein neues Lernfeld. Da gilt es, sich selbst zu reflektieren und den eigenen Blickwinkel immer wieder kritisch zu hinterfragen. Die Vielfalt an Menschen und Situationen machte die Arbeit bei sahara so anspruchsvoll, abwechslungsreich und lebendig. Und das hat mich sicher jung gehalten – in Kopf und Geist.
Und ich bin überzeugt, dass es diese individuelle Begleitung weiterhin braucht. Die Haltung und Zugewandtheit, dass man mit jeder Teilnehmerin wirklich etwas erreichen will. Diesen Ruf hat sahara - zu Recht!

Du wolltest 2024 in deine wohlverdiente Pensionierung gehen. Nun hast du aufgrund von Corona dein Engagement für sahara verlängert. Was genau ist da passiert?
Die Pandemie mit Lockdowns, geschlossenen Geschäften, Distanzhalten, den vielen Erkrankten und Krankheitsabsenzen war das Eine – das war ja ein einziger Wahnsinn. Bei unserer Arbeit haben wir jedoch stark erlebt, wie sehr die Postcorona-Zeit die Menschen fordert. Die allgemeine Erschöpfung nach der Pandemie, dazu die Unsicherheit durch den Ukrainekrieg und die Angst vor der Klimakrise. «Was ist meine Perspektive? Ich bin doch total erschöpft, wofür lohnt es sich für mich denn jetzt, meinen Weg zu beschreiten? Was soll mir die Zukunft bringen?» Das haben wir von vielen unserer jungen Teilnehmerinnen gehört. Viele brauchen im Moment noch jemanden, der mit ihnen kämpft.
Und darum bin ich länger geblieben. Wir hatten vier Lernende, die ich bis zum Ende ihres Abschlusses begleiten wollte. Ich wollte sie dabei unterstützen, mit ihrer Erschöpfung umzugehen und sich dabei nicht geschlagen zu geben! Denn für alle vier junge Frauen gibt es einen Weg, es gibt eine Perspektive.
Susanne, DANKE für dein Engagement für sahara und die Teilnehmerinnen und Lernenden. Es war eine tolle Zeit mit dir und wir wünschen dir von Herzen alles Gute für deinen neuen Lebensabschnitt.
